Die Geschichte der Fischtown Pinguins
1941 - 1988
1941 - 1988
Will man die Geschichte des REV Bremerhaven erzählen, so könnte man eigentlich mit der literarischen Einleitung beginnen: "Der König ist tot - es lebe der König !" Über Jahre hatten die noch heute legendären Eulen des RSC Bremerhaven Eishockeygeschichte geschrieben. Der bereits im Jahre 1941 gegründete RSCB hatte sich über die Oberliga bis in die damals noch eingleisige 2. Bundesliga gespielt. Spieler wie Billy Flynn, Pit Ustorf, Manfred Prudlo, Muchel Schmidt, Danilo Valenti, Josef Ondrasina oder Rob van Keeken hatten nicht nur in der Seestadt einen klangvollen Namen. Trotz all der Erfolge gärte es im Kader der "Eulen". Spieler pokerten den Verein aus und sahnten ab. Bereits in der Saison 1979/80 blieben nach einer langen Niederlagenserie die Zuschauer aus und der Verein benötigte finanzielle Hilfestellung von Seiten der Stadt um sich über Wasser zu halten. In der Saison 82/83 konnte dann der Kollaps jedoch nicht mehr abgewandt werden. Nachdem sich der RSC ein Team wie nie zuvor zusammengekauft hatte, schien der sportliche Erfolg gesichert, doch durch das Mannschaftsgefüge ging ein Riß der sich auch auf dem Eis widerspiegelte. Die Zuschauer blieben aus, kalkulierte Gelder damit verloren und der Fall war nicht mehr aufzuhalten. Durch den Konkurs der Eissportbeteiligungsgesellschaft (GEKA) war dem RSCB die Grundlage entzogen und der Verein erhielt nur noch die Berechtigung in der Regionalliga zu spielen. Da es aber finanziell nicht einmal mehr für die Verbandsabgaben reichte wurde der Verein am 31. Januar 1984 aufgelöst. Ein Stück Bremerhavener Eishockeygeschichte ging zu Ende.
Zum Glück hatten aber weitsichtige Männer vorgesorgt und bereits am 5. Januar 1983, zunächst als "Schubladenverein", den Roll- und Eissportverein Bremerhaven (REV) gegründet. Bereits Ende Januar wurde der REV als sportlicher Nachfolger der Eulen anerkannt und die Knaben des RSCB konnten mit um die deutsche Meisterschaft spielen. Neben dem REV gab es aber noch eine zweite Kraft in Bremerhaven. Der EHC marschierte zu dieser Zeit - allen voran Josef Ondrasina - furios durch die Aufstiegsrunde zur Oberliga Nord. Ein Jahr später fand man sich jedoch in der Regionalliga wieder - gemeinsam mit dem REV, bei dem Karl Fenzl, "Muchel" Schmidt und Thomas Kempf zunächst Trainer waren. Nachdem zuletzt auf der Freifläche gespielt wurde, wagte man wieder den Schritt in die Stadthalle, doch die erhofften Zuschauerzahlen bleiben aus.
Der EHC hatte nach viel Verletzungspech zuletzt nur noch einen Rumpfkader und mußte den bitteren Weg in die Landesliga antreten. Es nutzte nicht viel, daß mit Jirko Seib und Andre Schneider zwei Juniorennationalspieler im Team standen. Beim REV gingen die Sterne von Reemt Pyka und Stefan Nötzel auf. Die Mannschaft beendete überlegen ohne Verlustpunkt die Punkterunde, scheiterte aber in der Aufstiegsrunde zur Oberliga Nord. Ein alter Bekannter "Joschi" Ondrasina, wurde vor der Spielzeit 1987/88 als neuer Coach verpflichtet. Der schaffte endlich den Oberliga Aufstieg, allerdings nur, weil Herford und Ahaus ihre Teams zurückzogen.Zwischenzeitlich hatte der REV dem EHC eine Fusion vorgeschlagen, das wurde aber abgelehnt. Der EHC Bremerhaven löste sich im Juni 1987 auf. Der REV verpflichtete mit Charles Perperides und Robert Pedersen mitten in der Regionalliga - Saison 1986/87 wieder zwei Kanadier und schaffte Platz drei. In der Aufstiegsrunde zur Oberliga Nord klagte Trainer Kempf über mangelnden Einsatz seiner Spieler und warf das Handtuch. Der REV blieb in der Regionalliga.
Beim REV trat Ondrasina zurück, der Verein nahm Damian Steiert vom ESC Ahaus als Spielertrainer unter Vertrag. Außerdem kam mit dem Kanadier Dan Lee Olsen ein bärenstarker Verteidiger. Doch die Saison begann mit einer Rekord-Negativserie, der REV spielte schließlich gegen den Abstieg. Steiert wurde von seinem Traineramt entbunden und es kehrte - na klar - "Joschi" Ondrasina als Feuerwehrmann zurück. Der REV beendete die Saison mit tollen Vorstellungen vor weit über 1000 Zuschauern in den Heimspielen und blieb in der Oberliga.
1989 - 1994
1989 - 1994
Andrzej Wallitzki sollte den REV in der Spielzeit 1989/90 auf Trab bringen. Hinzu kamen Spieler wie Troy Jacobsen, Raimond Peschke, der spätere Trainer Christian Michna und Roman Rybin. Der REV gewann den erstmals ausgetragenen Beck´s Cup, erlebte aber eine schwache Saison und mußte wieder um den Klassenerhalt kämpfen. Immerhin kamen im Schnitt 990 Fans ins Eisstadion. Als es in der Relegation eng wurde, sprang wieder Josef Ondrasina in die Bresche. Wallitzki blieb zwar Trainer, doch Ondrasina hatte als Teamchef das Sagen. Nur ganz knapp blieb der REV in der Oberliga, mußte sich Pleitegerüchten erwehren. REV Präsident Dr. Joachim Keidel räumte ein kleines Minus zum Saisonende ein.
Klaus Demharter wurde Trainer - Manager - ein Kuriosum, auch im Eishockey. Es ging aufwärts, man sprach sogar von einem Zweitliga - Aufstieg, doch dann begann eine neue Talfahrt. Demharter gab nach zwei Monaten im Januar 1991 auf. Pokovic wurde Spielertrainer, und der REV nahm trotz allem an der Aufstiegsrunde zur Zweiten Liga teil. Fünf Punkte in 18 Spielen waren die magere Ausbeute. Troy Jacobsen verließ den Verein, dafür kamen die Kanadier Craig Sterzer und Jay Luknowski, auch Roman Rybin zog es zurück an die Unterweser. Zudem gab Vaclav Drobny seinen Einstand. Später kam der Russe Mikhail Panin.Die Saison 91/92 war geprägt von desolaten Vorstellungen, die sich mit Gala Auftritten der Pokovic Mannschaft abwechselten. Rund 750 Zuschauer im Schnitt begleiteten den REV in die Spiele gegen den Abstieg, den der Verein aber vermeiden konnte. Schon damals schaffte es Trainer Lubomier Pokovic, mit vielen Eigengewächsen wie Michael Gerstung, Sven Mahler oder Marc Tammen dafür zu sorgen, dass die Fans sich weiter in einem hohen Maß mit der Mannschaft identifizieren konnten.
Phil Soukoroff ein Kanadier, Rainer Gück aus Ravensburg und nicht zuletzt Jacek Olender aus Braunlage hießen die Neuen beim REV zu Beginn der Spielzeit 1992/93. Im November 1992 kam noch der Kanadier Todd Strueby, der den vom Verletzungspech arg gebeutelten REV in die Aufstiegsrunde schießen sollte. Einen Monat später wurde Verteidiger Lubomir Lang verpflichtet. Der REV erreichte die Meisterrunde. Stefan Nötzel wechselte zum Kölner EC. Die Bremerhavener spielten gegen die "Großen" der Liga ordentlich mit - unterm Strich eine befriedigende Runde. Mehr Unruhe gab es da schon in der Saison 1993/94. Strueby ging und mit dem teuren Kanadier Jell Rohlicek kam ein hocheingeschätzter Kanadier, der aber nur absahnen, nicht aber Eishockey spielen wollte. Auch Jamie McKinley, ebenfalls aus Kanada und Frank Hirtreiter blieben letzlich glücklos. Nachdem nur vier Punkte in sechs Spielen eingefahren wurden, kam auch noch der Kanadier Warren Sharples als Torhüter. Doch die Erfolge blieben meist aus - ebenso die Zu-schauer. Rohlicek wurde gefeuert, der REV geriet kurzfristig in Finanznot und einige Spieler verließen den Verein. Doch wie ein Wunder ging es dann in der Runde gegen den Abstieg wieder aufwärts. Die beiden kanadischen Neuverpflichtungen Mike Futa und George Dupont schlugen ein wie eine Bombe und der REV als Punktelieferant abgestempelt, legte eine tolle Partie nach der anderen aufs Eis. Das war aber auch der Verdienst von Lubomir Pokovic der mit 34 Jahren noch einmal die Stiefel schnürte, den Mini Kader des REV immer wieder nach vorn trieb und somit den Klassenerhalt sicherte. Ein versöhnlicher Abschluss einer etwas chaotischen Saison. Gleich-zeitig musste der REV dennoch Abschied von der Oberliga nehmen, denn durch die Neuordnung des Eishockeys sollte man zukünftig in der 2. Liga Nord seine Visitenkarte abgeben.
Natürlich musste man unter diesen Voraussetzungen die ein oder andere Verstärkung an Land ziehen. Zunächst kehrte Rouven Wisotzka wieder aus den USA zurück und brachte so manche Erfahrung mit in die Heimat. Mit Mario Plack meldete sich ein weitere Stürmer ins Kader der Bremerhavener. Zu richtigen Raketen sollten sich jedoch die beiden Neuerwerbungen aus dem Mutterland des Eishockeys, Kanada entwickeln. Guy Girouard, mittlerweile Symbolfigur in Fischtown und Blake Knox waren die Spieler die in der ersten 2. Ligasaison Akzente für den REV setzen sollten. In der Punkterunde konnte man einen guten 5. Platz erreichen. Das in der Relegation dem Team so langsam die Luft aus-ging und es am Ende nur mehr zu einem 9. Tabellenplatz reicht störte eigentlich keinen der Fans. Der REV hatte sich zurückgemeldet und eine tolle Saison gespielt.
1995 - 1997
1995 - 1997
Das Abenteuer 2. Liga war dem REV gut bekommen und man bekam so langsam Appetit auf mehr. Die Vorbereitungen liefen in vollem Gange und die ersten Neuverpflichtungen meldeten sich an Bord. "Iron" Mike Futa kam wieder zurück aus Dänemark, aus Wilhelmshaven holte man sich mit, wie sich später herausstellen sollte, Bernd Zimmer einen der besten Goalies der Liga und mit Holger Glomb wurde ein Mann eingekauft der schon bei den Kölner Haien gekämpft hatte. Hätte trotzdem einer der sogenannten Experten auch nur das Wort vom möglichen Aufstieg in das Elitehaus des Nordens in den Mund genommen, er hätte neben einem mitleidigen Lächeln wohl nur Spott und Hohn geerntet. Doch es sollte anders kommen. Ohne große Hürde wurde die Punkterunde genommen und man belegte am Ende den 5. Platz der zur Relegation berechtigte. Nun ja, man wollte auf jeden Fall besser sein als im Vorjahr. Optimisten sprachen gar von einem 6. oder 5. Platz. Doch auch hier wurden alle Experten eines besseren belehrt. Getragen von einer unbeschreiblichen Euphorie und einem nie ermüdenden Siegeswillen kämpften sich die Pinguins von Sieg zu Sieg. 17:1 Punkte in Folge und ein 7:1 Heimsieg gegen die Limburger EG brachten die Männer von der Unterweser wieder dahin wo einst der ruhmreiche RSC aufgehört hatte. In die 1. Bundesliga Nord (vergleichbar mit der damaligen 2. Bundesliga). Ein unbeschreiblicher Jubel ging durch das Eisstadion und durch die ganze Region. Mit dem REV Bremerhaven hatte ein Team den Aufstieg geschafft das nur auf Grund von Fleiß, Siegeswillen und Kameradschaft Einzug halten konnte in die Bremerhavener Eishockey Hall of Fame.
Nach Jahren der Abstinenz hatte das schon immer als besonders begeisterungsfähige Publikum des Bremerhavener Eishockeys wieder Grund zum Jubeln. Mit dem Aufstieg des REVB in die “Belle Etage” des Eishockey Nordens war man angetreten um in den Fußstapfen des ehemals so erfolgreichen RSC Bremerhaven ein neues Kapitel in der eishockeyverrückten Unterwesermetropole zu schreiben.
Schon lange vor Saisonbeginn war man sich von Seiten der Verantwortlichen darüber im klaren, daß selbst mit gezielten Verstärkungen das absolute Saisonziel nur der Klassenerhalt sein konnte. Finanziell nicht auf Rosen gebettet begann nun für den Vorstand der Pinguins die schwierige Aufgabe gutes und gleichzeitig finanzierbares Spielermaterial nach Bremerhaven zu lotsen. Wie sich im Laufe der Saison herausstellen sollte konnte das Trio Dr. Keidel, der 2. Vorsitzende Arno Labuch Ahrens und der dem Verein sehr nahestehende Spielervermittler Andreas Rosenberg mit seinen Verpflichtungen wieder einmal seine hohe Fachkompetenz beweisen. Zunächst wurde mit Christian Witthohn, mittlerweile zum Juniorennationalspieler avanciert ein Bremerhavener Eigengewächs aus Rosenheim zurückgeholt. Mit Jason Ricci, dem Kanadier Scott Spittel sowie dem Timmendorfer Altstar “Bobby” Maj wollte man in die Saison starten. Als sich dann kurz vor Saisonbeginn der “Bulle von Fischtown” Guy Girouard von seiner Diana zum Traualtar führen ließ war plötzlich eine Kontingentstelle im Team der Pinguins frei geworden. Sofort war man zur Stelle und verpflichtete mit Todd Wetzel eine weitere Verstärkung für den Sturm. Für einen Sturm der anderen Art sorgte dann die, von vielen “Nichtinsidern” zunächst nicht verstandene, Trennung von Trainer Michna. Nach immer häufigeren konträren Anschauungen und Ansichten zwischen Trainer Michna und Vorstand, beschloss man sich im gegenseitigen Einvernehmen zu trennen. Schon acht Tage später präsentierte der REVB auf Empfehlung von Bundestrainer Kingston und dem Trainer der Kaufbeurer Adler Tomm Coolen, den bisher in Deutschland noch unbekannten Kanadier Shane Easter.
Dieser konnte sich dann bereits am ersten Spieltag in Hannover von der Stärke der “neuen” 1. Liga Nord überzeugen. Überzeugt war er aber auch von der großartigen Leistung seines Teams im Spiel gegen den hohen Favoriten aus Hannover. Unter den Augen von 400 mitgereisten Fans unterlagen die Pinguins nach großem Kampf dem EC Hannover mit 1:3 Toren im Stadion am Pferdeturm. Als am folgenden Wochenende die Devils aus Königsborn mit 7:1 aus dem heimischen Stadion gefegt wurden hing der Eishockeyhimmel voll mit Geigen. Trotz toller Spiele folgte nun eine Durststrecke mit vielen teils unnötigen Niederlagen. Erst am 1. November durften die treuen Fans des REV wieder jubeln. Als in der 59. Minute der mittlerweile in Bremerhaven angeheuerte Finne Juha Nurminen mit seinem Treffer zum 5:2 gegen das Team des Iserlohner EC den Endstand markierte schöpfte man in Bremerhaven wieder Hoffnung. Nach einer weiteren Verstärkung der Abwehr, mit Akil Adams lief zum ersten Mal in der Geschichte des Bremerhavener Eishockeys ein farbiger Spieler aufs Eis, hatte die Abwehr auch mehr Halt bekommen. Achtungserfolge wie die Unentschieden in Herne oder gegen den späteren Meister Neuwied, die Siege gegen Wilhelmshaven und Königsborn gaben den Männern von Shane Easter das nötige Selbstvertrauen wieder. Trotz vieler, meist knapper Niederlagen bekamen die Bremerhavener Lob von allen Seiten. Nichts desto trotz mußte nun in die am 3. Januar beginnenden Abstiegsrunde die darüber entschieden sollte, ob auch in der neuen Saison Erstliga Eishockey in Bremerhaven auf dem Terminplan stehen konnte.
Bereits am ersten Spieltag musste man mit den Leidensgenossen aus Wilhelmshaven die Schläger kreuzen. Nach toller Leistung im 1. Drittel brachen die Fischköppe im Mittelabschnitt ein. Das Endergebnis von 4:9 gab aber dennoch keinerlei Anlass zu Sorge. Schon am Wochenende darauf konnte man sich mit einem glatten 9:1 Erfolg über die “Devils” aus Königsborn eindrucksvoll rehabilitieren. Ernüchterung dann im Treffen beim Deutschen Rekordmeister in Berlin. Mit 1:5 mussten die Seestädter die Heimreise antreten und dort schrillten dann auch die Alarmglocken. Nach einem klärenden Gespräch zwischen Teilen des Vorstands und der Mannschaft segelte dann aber der „Fischtown-Schoner“ mit vollen Segeln Richtung Klassenerhalt. Nach 14:0 Punkten in Folge hatte man sich einen Platz an der Sonne gesichert. Hinter dem EC Wilhelmshaven thronten die Pinguins auf dem zweiten Tabellenplatz und konnten von nun an beruhigt der Dinge harren die da kommen sollten. Ärgerlich war man lediglich darüber, dass man auf heimischen Eis den Nachbarn aus Wilhelmshaven nicht zum straucheln brachte. Gerne hätte man sich für die in Wilhelmshaven bezogene Niederlage revanchiert.
All das war dann am 21. März vergessen. Nach Beendigung der Abstiegsrunde mussten die nun folgenden Entscheidungen Klarheit darüber erbringen, wer auch in der neuen Saison einen Platz an der Sonne inne haben sollte. In der 1. Runde mussten sich die Bremerhavener mit dem Nordrivalen aus Adendorf auseinander setzen. Das im “PLAY OFF” völlig andere Gesetze gelten als in der normalen Punkterunde wurde hier dann wieder einmal eindrucksvoll unterstrichen. Konnte man in Fischtown mit 6:5 als Sieger das Eis verlassen gab es in Adendorf nichts zu gewinnen. Wie im Rausch spielten die Männer von Jeff Pyle und siegten am Ende völlig verdient. Nun musste ein drittes Spiel über den Einzug ins Halbfinale entscheiden. Wer nun gehofft hatte den Adendorfern würde die Sensation gelingen, der sah sich bitter enttäuscht. Von Beginn an ließen die Easter Schützlinge keinen Zweifel daran wer an diesem Tag als Sieger das Eis verlassen sollte. Am Ende durften die Gäste aus der Lüneburger Heide zufrieden sein mit nur 9:2 verloren zu haben. Im Halbfinale hatten die Hammer Eisbären überraschend die “Wölfe” aus Limburg besiegt und wollten nun auch die Pinguins niederstrecken. Nach einem 6:4 und 1:7 wurde auch in dieser Begegnung wieder ein drittes Spiel notwendig. Der Ostermontag musste die Entscheidung bringen. Grenzenlos war dann der Jubel im wieder einmal völlig ausverkauften Stadion am Wilhelm Kaisen Platz als am Ende die Hausherren verdient mit 7:4 das Eis verlassen konnten.
Der Klassenerhalt war gesichert und somit das Saisonziel erreicht. Ausgehend von der während der Saison erbrachten Leistung und aus den Erfahrungen der Spielzeit die richtigen Erkenntnisse gezogen, sollten nun in der neuen Spielzeit, der Saison 1997/98 die Ziele Richtung Meisterrunde gerichtet werden.
1998 - 1999
1998 - 1999
Schon bald nach Ende der Saison stand fest, dass der nicht immer unumstrittene Trainer Shane Easter eine ihm offen gehaltene Option nicht anzunehmen bereit war. Mit Sicherheit waren damals, im April 1997, die Verantwortlichen des REVB nicht sonderlich betrübt ob dieser Nachricht. Der umsichtige Eishockeymanager Andreas Rosenberg hatte in zusammenarbeit mit Arno Labuch Ahrens schon lange an einer Lösung des Problems gearbeitet. Frenetischen Beifall und Sprechchöre gab es dann am 1. Mai 1997, als vor mehr als 600 Zuschauern der neue Trainer Dan Olsen dem Publikum vorgestellt wurde. Exakt sieben Jahre waren vergangen bis der ehemalige Publikumsliebling an den Ort seiner Erfolge zurückkam. Olsen, ehemals beinharte Verteidiger war "back in town" und allerorten hoffte man nun, der Erfolg würde sich automatisch einstellen. Die erste in der Saison Beachtung findende Neuverpflichtung war der Vertrag mit Kai Fischer, dem damals wohl hoffnungsvollsten deutschen Nachwuchstorhüter. Von der ruhmreichen Düsseldorfer EG war er an die Unterweser gekommen um sich in der 1. Liga Spielpraxis anzueignen und um sich damit für höhere Aufgaben zu empfehlen. Weitere klangvolle Namen sollten folgen. Tim Schnobrich, Jamie Bartman und Bruce Hardy von den "Mosellöwen" aus Trier kamen im Dreierpack. Mit Falk Ozellis, dem man einen unwiderstehlichen Tordrang nachsagte, kam sogar ein Spieler vom damaligen deutschen Vizemeister, den Kassel Huskies, nach Bremerhaven. Mit den Spielern Mark Cardiff, einem Verteidiger aus Kanada sowie Steve Simoni, Stürmer aus Oklahoma City, glaubte man beim REV ausreichend gerüstet zu sein für die kommenden schweren Aufgaben. Kurz vor Saisonbeginn konnte man dann auch noch die Verpflichtung des Finnen Jukka Suomalainen vermelden. Derweil brannte das Publikum auf den Beginn der neuen Saison. Nach einem kurzen Trainingslager in Dänemark und dem Gewinn des 9. Beck´s Cup Turnier, wollte die Euphorie nicht mehr enden. Der REV begann die Saison dann auch mit einem "Blitzsieg" in Herne. Simoni, Ozellis, Wetzel und Hardy waren die Erfolgsgaranten für den historischen 5:2 Sieg in Herne. Noch nie vorher hatte ein Team von der Unterweser am Gysenberg punkten können. Als man dann auch den EHC Trier mit einer Niederlage nach Hause schicken konnte, war der Start in die neue Saison mehr als gelungen. Dann muß sich der REV jedoch mit einer Durststrecke von 5 Niederlagen in Folge begnügen. Hannover, Essen, Neuwied, Duisburg und Bad Nauheim, so die Stationen des Misserfolgs. Endlich, am 12. Oktober durfte wieder gejubelt werden. Todd Wetzel besiegelt mit einem Alleingang in der 64. Minute der Overtime das Schicksal der mit großen Ambitionen angereisten Mannschaft aus Iserlohn. Bis zum 27. Oktober hat sich der REV dann auf den 12. Tabellenplatz vorgekämpft und kann im ewig jungen Duell gegen die "Jade Haie" aus Wilhelmshaven im Sportforum des Gegners mit 2:1 gewinnen. Die Pinguins wittern Morgenluft und starten zu einer Siegesserie die mit den Erfolgen über Hannover und in Essen mit dem zwischenzeitlichen 3. Tabellenplatz belohnt werden. In der Vorweihnachtszeit spielen die Bremerhavener dann jedoch den "freundlichen Nikolaus" und müssen eine Reihe zwar knapper und schmerzhafter Niederlagen einstecken. Trotzdem, die Mannschaft des REV Bremerhaven kann, mittlerweile verstärkt durch den aus Landsberg heimgekehrten Juha Nurminen, am Ende der Hauptrunde mit dem 9. Tabellenplatz und 53 Punkten einen vor Beginn der Saison niemals für möglich gehaltenen Erfolg verbuchen.
Die nun folgende Qualifizierungsrunde um den Aufstieg in die ab der Saison 98/99 neu zu schaffende eingleisige Bundesliga, startet der REV wieder mit einem Paukenschlag. Bereits zum dritten Mal muss sich die "Übertruppe" aus Hamburg gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Bremerhavener geschlagen geben. Dann allerdings verlässt Fortuna Bremerhaven. Von unbeschreiblichen Verletzungspech geplagt, zum Teil mussten gar acht Stammspieler ersetzt werden, müssen die "Fischtown Pinguins" nun auch die Schattenseite des sportlichen Daseins kennen lernen. Zwischenzeitlicher, negativer Höhepunkt ein Skandalspiel in Herne, bei dem die Mannschaft von Trainer Dan Olsen derart verschaukelt wurde, dass selbst die Presse des Gegners nicht mit Häme gegen den damals leitenden Schiedsrichter Welting sparte. Dieser hatte, wohl einmalig, ein bereits im Spielbericht protokolliertes und auf der Anzeigentafel angezeigtes Tor einfach wieder negiert. Die "Olsen Bande" verlor damals mit 4:6 und musste sich zunächst mit dem 8. Tabellenplatz begnügen. Dies war aber nicht der Grund dafür, daß der Amerikaner Steve Simoni wenige Tage später dem Bremerhavener Erstligisten den Rücken kehrte. Einem lukratives Angebot seines alten Vereins, den Oklahoma City Blazers, konnte er nicht widerstehen und so kehrte er an seinen alten Arbeitsplatz zurück. Bereits in der Partie gegen die Limburger EC war Simoni nicht mehr mit an Bord. Besonders gut in Erinnerung wird das Limburg Spiel Marco Ahrens haben. Er markierte mit dem 2:0 seinen ersten Treffer in der 1. Liga Nord. Des einen Freud, des anderen Leid. Bereits wenige Tage später bricht sich Bruce Hardy während des Trainings seinen Zeh und fällt für den Rest der Saison aus. Der REV läßt sich aber nicht aus der Ruhe bringen und Kapitän Guy Girouard rückt in den Angriff der Seestädter. Nach Sieg über Adendorf folgt eine Niederlage gegen Hamburg und der Saisonverlauf bleibt für den REV mehr oder minder eine Berg- und Talfahrt. Bereits Anfang März unterschreibt Trainer Dan Olsen seinen Vertrag für die neue Saison. Man will Zeichen setzen in Bremerhaven und die Zukunft soll zeigen, daß man auf dem richtigen Wege ist. Auch Leistungsträger wie Spittel , Schnobrich oder Bartman können überzeugt werden, an der Unterweser zu bleiben. Am 22. März gibt der "Zerstörer" Michael Gerstung nach 500 Spielen für den REV Bremerhaven seinen Abschied im heimischen Stadion am Wilhelm Kaisen Platz. Unter den Augen der treuen Fangemeinde nimmt Gerstung Abschied von Fans, aktuellen und ehemaligen Mannschaftskameraden. Auch der Abschied der ersten Mannschaft wird ein voller Erfolg. Mit einem 6:1 Sieg über den Herner EV darf man in die verdiente Sommerpause gehen.
2000 - 2003
2000 - 2003
Das Ziel der Saison 99/2000 war schnell umrissen: "Wir wollen den Sprung in die 2. Bundesliga schaffen", machte der Präsident des Vereins, Dr. Joachim Keidel, aus seinem Herzen keine Mördergrube. Schon früh im Vorfeld konnte in aller Ruhe der Kader für die neue Saison aufgebaut werden. Trainer Craig Topolnisky ersetzte den nach Bad Nauheim abgewanderten Trainer Dan Olsen und auch sonst gab es einige Bewegungen im Kader des Bremerhavener Vorzeigeklubs. Nach dem Abgang von Mark Cardiff (Ratingen), Ryan Rintoul (WHPL) und Scott Spittel, waren drei Kontingentstellen neu zu besetzen. Aus den Fehlern der vergangenen Saison gelernt , hatte die Verpflichtung eines zweiten starken Goalies absolute Priorität. Mit Marko Suvelo, einem jungen Finnen, landete man auf dieser Position einen absoluten Volltreffer. Mit "Heimkehrer" Jukka Suomalainen gewann die Defensive zusätzlich an Stabilität und mit Cam Danyluk als Angreifer, waren die Kontingentstellen schnell besetzt. Neben Routinier Tray Tuomie schenkte man drei jungen deutschen das Vertrauen. Der Nauheimer Stephan Kraft sowie der Augsburger Michael Fendt und Wayne Kern, er kam aus Freiburg an die Küste, komplettierten den Kader der "Fischtown Pinguins". Nach einer Saison mit 32 Spieltagen an der Spitze der Tabelle, musste man nach einer nicht enden wollenden Verletzungsserie zwar zum Saisonende die Führung an den EV Duisburg abgeben, aber rechtzeitig zu den Play Offs war das Team der "Fischtowner" wieder voll einsatzklar. Die erste Hürde Hannover wurde mit einer klaren 3:0 Serie schnell ad Acta gelegt. Schwieriger gestaltete sich da schon das Unternehmen "Regensburger Eisbärenjagd". Nach zwei Begegnungen (4:3/3:4) zwischen dem EV Regensburg und dem REVB durften sich noch beide Mannschaften Hoffnung auf das Halbfinale machen. Doch im dritten und entscheidenden Spiel sorgten die "Pinguine" für klare Verhältnisse und besiegten die Oberpfälzer klar und deutlich mit 6:3. Nach den beiden Niederlagen gegen die "Tigers aus Straubing mussten die Seestädter nun mit aller Macht versuchen mit Erfolgen über die
Erding "JETS" den Weg in die Bundesliga doch noch zu schaffen. Zunächst erlebte man in der oberbayerischen Weißbierstadt Erding aber eine herbe Überraschung. Als nach zwei Spieldritteln die "Jets" bereits mit 5:1 abgehoben hatten, schien das Ziel Bundesliga in weite Ferne gerückt zu sein. Im Schlussabschnitt zeigten die Bremerhavener jedoch Charakter. Nach einer Energieleistung konnte das Endergebnis nach einer "nur" 4:6 Niederlage doch noch hoffnungsvoll gestaltet werden. Die Entscheidung musste im letzten Spiel der Saison am Ostersonnabend in Bremerhaven fallen. Nach einer überragenden Energieleistung und einem glanzvollen 6:0 Erfolg, musste auch die Truppe von Erich Kühnhackl am Ende gestehen, als verdienter Verlierer die Heimreise anzutreten. Der REV Bremerhaven schwebte dagegen auf Wolke sieben. Nach 16 Jahren war das Bremerhavener Eishockey wieder in der Bundesliga vertreten. Ein Erfolg, der in der gesamten Region mit großer Freude aufgenommen wurde und die treuen Fans der Pinguine im "Siebten Himmel" wähnte.
Der Jubel nach einer ordentlichen Aufstiegsfeier rund um den Bremerhavener Wilhelm Kaisen Platz war kaum verklungen, da begannen die Verantwortlichen bereits mit der Planung für die neue Saison. Ein schwieriges Unterfangen, wie sich bald herausstellen sollte. Zum einen musste der Kader nach den prominenten Abgängen gezielt verstärkt werden, zum anderen wollte man an der Unterweser keine finanziellen Balanceakte eingehen. Nachdem man mit "Newcomer" Jamie Bartman einen alten Bekannten auf den Trainerstuhl berufen hatte, begannen die Verantwortlichen in enger Zusammenarbeit mit dem letztjährigen Verteidiger der Pinguine an einer schlagkräftigen Mannschaft zu basteln. Besonders in der Defensive sah man Handlungsbedarf. Bartman ließ seine guten Kontakte spielen und der Ruf eines solide geführten Vereins erleichterte die Gespräche mit den Wunschkandidaten. Renommierte Namen wie Travnicek, Kasperczyk, Schubert, Pysz oder Luknowsky gaben ihre Zusage für die neue Spielzeit. Aber auch Hoffnungsträger wie die beiden Kanadier Toews und Becker sowie der in Ingolstadt gescheiterte Holden wechselten gerne in den Norden. Überraschung gab es über die Zusammenstellung des Kaders. Der REV scheint sich von der rein "kanadischen Schiene" zu verabschieden und verpflichtete für Bremerhavener Verhältnis sehr viele in Osteuropa geborene Spieler. Die Begründung dafür liefert Trainer Bartman: "Es gibt weder ein kanadisches noch ein osteuropäisches Eishockey. Entweder man spielt gut, oder man spielt schlecht!" Nach den getätigen Neuverpflichtungen glaubte man in Bremerhaven aber über einen durchaus schlagkräftigen Kader zu verfügen. Trainer Bartman sah seine Hauptaufgabe darin, das Team zusammen zu führen und taktisch so einzustellen, damit das sportliche Klassenziel erreicht werden kann.
Das sich das Rollenspiel der Seestädter grundlegend geändert hatte, sollte in der neuen Klasse durchaus von Vorteil sein. War man in der Vergangenheit stets in der undankbaren Rolle des Gejagten, so durfte man sich nun auf die bei weitem bequemere Aufgabe des Jägers freuen. In Bremerhaven wurden die Erwartungen nicht allzu hoch gesteckt. Das Ziel des Vereins war der Klassenerhalt - die Play Offs der Traum. Unterstützt wurden die Pinguine dabei von der treuen Fangemeinde die mit dazu beitragen würde, den Gegnern an der Unterweser das Fürchten zu lernen.
Neben den sportlichen Erfolgen durfte man sich an der Küste aber auch über die wirtschaftlichen Fortschritte freuen. "Die Politik der kleinen Schritte bringt mehr und mehr Erfolg", war von Seiten der REV Eissport Fördergesellschaft zu hören. Dank der Treue einer breiten Sponsorenbasis schien der Jahresetat von knapp 1,7 Millionen gesichert und mit den bereits im Vorjahr ins Boot geholten Hauptsponsoren, der swb Enordia und der swb Bremerhaven, durfte man einen neuen Vertrag über zwei Jahre abschließen.
Bremerhaven schien man für die Bundesliga gerüstet. Nach vielen Jahren des sportlichen Auf und Ab war der REV Bremerhaven wieder in der Liga angelangt, wo einst schon der ruhmreiche RSC Bremerhaven das Publikum zu begeistern wusste, letztlich aber scheiterte. Für den REV Warnung und Verpflichtung zugleich.
Das Jahr eins in der 2. Eishockey Bundesliga wurde für den Verein von der Unterweser auch gleichzeitig das erfolgreichste Jahr seiner Vereinsgeschichte. Als bisher erfolgreichster Aufsteiger in die Bundesliga schrieben die Seestädter eine Erfolgsstory, die einem wahren Bestseller gleicht. Angetreten mit dem Ziel die Klasse zu erhalten, scheiterte die zum entscheidenden Zeitpunkt personell stark dezimierte Truppe von Trainer Jamie Bartman erst unglücklich im Halbfinale gegen den späteren Meister aus Ingolstadt. Trotz der Niederlage an der Donau, die Seestadt stand Kopf. Selbst die Politik wollte bei derlei Euphorie nicht zurück stehen und ließ dem erfolgreichen Team eine Magistratsehrung zukommen, bei der fast 800 Zuschauer Augenzeuge waren. Apropos Zuschauer, auch in dieser Spielzeit zeigten die Fans von der Unterweser, zu welchen Leistungen die angeblich sonst so unterkühlten Norddeutschen fähig sein können. Wahre Eishockeyfeste wurden im altehrwürdigen aber stark renovierungsbedürftigen Bremerhavener Eishockeytempel gefeiert und nicht nur einmal wusste die überregionale Presse von „Gänsehaut Atmosphäre“ zu berichten. Gehörte Eishockey in der Vergangenheit bereits zu den renommierten Sportarten an der Küste, spätestens nach dieser Spielzeit boomt das Spiel mit der schwarzen Hartgummischeibe und viele sehen sich zurück versetzt in die Hochzeiten eines RSC Bremerhaven. Wo aber lag nun das Erfolgsrezept dieser Mannschaft?
Mit dem zunächst in der Öffentlichkeit stark kritisierten Trainerwechsel zu Beginn der Saison erklomm mit „Newcomer“ Bartman ein Spieler aus den eigenen Reihen den Chefsessel, der aus seiner Zeit als Aktiver die Situation in und um den Klub wie seine eigene Westentasche kennt. Gezielt und genau auf die finanzielle Situation zugeschnitten formte man in der Sommerpause einen Kader, der bestehend aus alten Erfahrungsträgern und jungen Wilden das Abenteuer Bundesliga meistern sollte. Mit Überraschung aufgenommen wurde dabei auch der Bruch mit dem „rein kanadischen Element“. Hatte man in der Vergangenheit meist nur auf die kanadische Schiene gesetzt, so fanden sich im Kader plötzlich osteuropäisch geprägte Spieler wie Tribuncovs, Travnicek, Kasperczyk, Pysz und Schubert, die im weiteren Verlauf der Saison eine tragende Rolle übernehmen sollten. Zusammen mit den Spielern aus Übersee und der unvermindert starken Fraktion deutscher Spieler ergab sich eine Mischung, die sich spätestens nach Mitte der
Hauptrunde bei der Konkurrenz vorbehaltlos Respekt erarbeitet hatte. Erfolg hatte Trainer Bartman auch mit seinem Konzept kontinuierlich mit vier Reihen spielen zu lassen. Nicht nur einmal waren es am Ende die größeren Kraftresereven, die dafür verantwortlich waren, dass der REV Bremerhaven als Sieger das Eis verlassen durfte. Mit zum Teil nicht für möglich gehaltenen Energieleistungen wurden so Spiele aus dem Feuer gerissen, die bereits verloren galten. Auch bei der Zusammenstellung der Reihen bewies Bartman ein goldenes Händchen. Erfahrene Hasen, gepaart mit jungen hungrigen Spielern ließen die Herzen der Fans höher schlagen. Daran konnte auch eine zwischenzeitliche Durststrecke mit sechs Niederlagen in Folge nichts ändern. Wichtig war gerade in dieser Situation die Ruhe in und um die Mannschaft. Keine Anzeichen von Kritik. Geduld und Vertrauen brachte die „Pinguine“ rechtzeitig zur entscheidenden Phase der Saison wieder auf Siegkurs. In der Abwehr stand Marko Suvelo wie ein Strum in der Brandung und vor ihm arbeitete eine Verteidigung, die stets an ihre Grenzen ging. Beeindruckend dabei auch die Leistung der Eigengewächse Witthohn und Ahrens, die an der Seite der Leistungsträger ihre Bundesligatauglichkeit unter
Beweis stellten. Auch mit der Offensive der Seestädter hatten die Gegner ihre Probleme. Ohne designierten Topscorer aber mit einer breiten Basis an torgefährlichen Stürmern war der Aufsteiger nur schwer auszurechnen. Alle vier Reihen waren stets brandgefährlich und stellten die gegnerischen Trainer in ihren Planungen vor große Probleme. Trotz der „Fahnenflucht“ eines Lorne Toews, er verließ die Mannschaft nach der Januar Wechselfrist, der Erfolg blieb dem Aufsteiger treu. Scheiterte man im Endspurt der Hauptrunde zwar nur knapp am Vierten Platz und dem Heimrecht für die Play Offs, in Folge drehte der REV erst richtig auf. In vier Spielen zwang man die zu Saisonbeginn hoch gehandelten „Steelers“ in die Knie und am Ende waren gegen die Truppe des ERC Ingolstadt nur knappe 90 Sekunden für ein mehr als unglückliches Ausscheiden verantwortlich. Der Freude über die erfolgreiche Saison tat dies jedoch keinen Abbruch. Das Jahr eins in der Bundesliga war vergleichbar mit dem erfolgreichen Abschluss der Lehrzeit, ob der REV aber als gestandener Geselle im zukünftig harten Berufsalltag bestehen kann, musste die Mannschaft in der neuen Spielzeit erst noch beweisen.
Nun stand es also vor der Tür - das „verflixte zweite Jahr“, vor dem viele Mannschaften, haben sie einmal den Sprung in die Höherklassigkeit geschafft, gehörigen Respekt zeigen. Auch an der Küste war man sich der Tatsache bewusst, dass in der neuen Saison mit Sicherheit niemand mehr das Team aus der Unterweser Stadt unterschätzen würde. Es war sogar zu befürchten, dass vielerorts die Gegner versuchen würden, die "Pinguine“ aufgrund ihrer letztjährigen Erfolge in die ungeliebte Favoritenrolle zu drängen. Wie auch immer, die Nordlichter blieben gelassen und bewiesen bereits in der Vorbereitung, dass die Mannschaft auch in der Saison 2001/2002 wieder für so manche Überraschung gut sein könnte. Die jüngsten Erfolge des Vereins, die in Bremerhaven und der Region eine starke Anerkennung fanden, basierten vor allen Dingen auf Kontinuität. Diese sollte beim REV Bremerhaven auch weiterhin nicht nur eine leere Worthülse, sondern besonders auf dem Sektor der „Verpflichtungspolitik“ auch nach außen hin transparent werden. Lediglich sechs „Neue“ trugen ab September in den Punktspielen die Farben der Seestädter. In Bremerhaven hoffte man, auch diesmal wieder ein „glückliches
Händchen“ bewiesen zu haben. Auch auf dem Sektor der Professionalität glaubte man mit der Verpflichtung eines hauptamtlichen Geschäftsführers einen weiteren, wichtigen Schritt in die Zukunft getan zu haben. War Eishockey an der Küste schon immer ein beliebter Sport, so erklommen die Kufenflitzer gerade in den letzten Jahren die Spitze der Beliebtheitsskala zwischen Elbe und Weser. Ein Umstand, dem auch Verein und Fördergesellschaft entsprechend begegnen mussten. Alle Bemühungen der Verantwortlichen wären aber erfolglos geblieben, hätte sich der Verein nicht auch diesmal wieder auf eine breite Basis von Kooperationspartnern stützen können, die dem Klub seit vielen Jahren die Treue hielten. Besonders die swb ENORDIA und die swb Bremerhaven stellten sich hier ihrer regionalen Verantwortung und wurden zu wesentlichen Stützen des Vereins. Trotz allem gab es aber auch Schattenseiten zu beleuchten, die für die weitere Zukunft des Bremerhavener
Eishockeys von größter Wichtigkeit sein sollten. Die Stadionsituation war nach wie vor unbefriedigend und konnte die Maßstäbe einer zeitgerechten Sportstätte alles andere als erfüllen. Hier hofften Verein und Fördergesellschaft auf die Hilfe der Politik. Um so erstaunlicher war es, dass die Treue des Publikums durch derlei Äußerlichkeiten und Einschränkungen des Komfort wenig Schaden nahm. Das Kapital des Vereins blieben nach wie vor die Fans, die in Scharen zu den Spielen ihrer „Pinguine“ pilgerten und deren Erwartungshaltung für die neue Saison entsprechend groß war. Hier traten die Verantwortlichen aber gehörig auf die Euphoriebremse. Das Management damals: „Unser Ziel ist der Nichtabstieg und somit das Erreichen der Play Offs, danach sind wir zu allen Schandtaten bereit.“ Der Unterstützung der Fans konnte er sich hierbei sicher sein.
Nur acht Monate später stand eine ganze Stadt Kopf. Jetzt nämlich hatten die „Pinguine“ gegen exakt den gleichen Gegner, diesmal jedoch im Finale, zum aus Bremerhavener Sicht „Coup des Jahrhunderts“ angesetzt. Im vierten Play Off Finalspiel mussten die hochfavorisierten „Panther“ aus Ingolstadt, die den REV noch im Vorjahr in die Schranken gewiesen hatten, nach einer 2:3 Penalty Niederlage den Meistertitel an der Unterweser lassen. Die Seestädter konnten mit dem Erfolg der Deutschen Zweitligameisterschaft den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte feiern, mussten aber aufgrund der finanziellen Gegebenheiten auf den Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse, die DEL (Deutsche Eishockey Liga) verzichten.
Unvergessen aber das Jahr danach. Nach einer finanziellen und sportlichen Talfahrt die für Fans und Offizielle unvergessen bleiben wird, fanden sich die arg gebeutelten „Fischtown Pinguins“ in der Oberliga Süd-Ost wieder. Daran konnte auch die ab Dezember in der Seestadt als Retter auserkorene Eishockeylegende Peter Draisaitl, der als Trainer den am Ende unglücklich agierenden Jamnie Bartmann abgelöst hatte, nichts ändern. Nach miserablen Leistungen mussten die Pinguine am Ende gegen den ETC Crimmitschau den sportlichen Offenbarungseid leisten. Eine sportliche Katastrophe, die im deutschen Sport nur wenig Nachahmer finden wird. Doch mit dem Elan und der Unverdrossenheit, welche die Menschen an der Küste auszeichnet, durchschritt man auch dieses sportliche Jammertal und war am Ende der Saison 2003/2004 wieder am Ziel seiner Träume angelangt - der 2. Bundesliga. Dennoch, neben der sportlichen Anstrengung war auch ein finanzieller Kraftakt notwendig (Etat 2.1 Millionen), um den sofortigen Wiederaufstieg zu realisieren. Bei der Zusammenstellung des Kaders bewies Trainer Peter Draisaitl ein goldenes Händchen. Es gab keinen Fehlgriff, der Kader passte perfekt zusammen – von Rookie Alexander
Janzen bis zum Top Stürmer Dan Del Monte. So war es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass die Seestädter weder in der Vor- noch in der Meisterrunde in Schwierigkeiten zu bringen waren. Das Glanzlicht der Saison bildeten dann jedoch die Play Offs um den direkten Wiederaufstieg. Hier bewies die Mannschaft in sechs Spielen mit sechs Siegen eine grandiose Disziplin und konnte auch von den Teams aus Ravensburg, München und Essen nicht am sofortigen Wiederaufstieg und der Meisterschaft gehindert werden.
2004 - 2008
2004 - 2008
Trotz des sofortigen Wiederaufstiegs konnte in der Spielzeit 2004/2005 das Ziel der Pinguine nicht höher als mit dem Wunsch nach Klassenerhalt definiert werden. Doch wieder einmal gelang es den Seestädtern die Fachwelt von der Isar bis zur Elbe mehr als zu überraschen. Nachdem man die Hauptrunde mit dem 5. Tabellenplatz abgeschlossen hatte, mussten sich die Pinguine als krasse Außenseiter gegen die Wild Wings aus Schwenningen messen. Es wurde ein Kampf auf Biegen und Brechen, den beide Fanlager mit Sicherheit nie vergessen werden. Kurios, beide Teams gingen mit großartigen Leistungen über die volle Distanz der Serie (2:3/5:3/4:3/0:5/4:3/1:4/5:3n.P.) – welche von den Pinguinen im alles entscheidenden siebten Spiel auf Schwenninger Eis nach Penalty-Schießen entschieden wurde. Im Halbfinale mussten die Pinguine dann aber gegen die Straubing Tigers mit 1:3 (2:4/5:3/3:4 n.V./2:4) die Segel streichen. Die Segel strich nach dieser Spielzeit aber auch Peter Draisaitl, der ausgerechnet in Straubing seine weitere sportliche Zukunft suchte.
In der Saison 2005/2006 wurde unter dem neuen Trainer Igor Pavlov die Vorrunde sensationell mit dem 1. Platz abgeschlossen. Im Play-off-Viertelfinale bezwang das Team den EHC Grizzly Adams Wolfsburg in fünf Spielen. Im Halbfinale waren der Vorrunden-Siebte, die Dresdner Eislöwen, Gegner der Pinguine. Auch die Sachsen wurden souverän in der Serie 3:0 (9:1, 3:2, 5:4 n.P.) geschlagen und so zog man nach 2002 erneut ins Finale der 2. Bundesliga ein. Gegner waren ausgerechnet die Straubing Tigers. Nachdem man die ersten beiden Finalspiele verloren hatte, schien die Serie bereits gelaufen. Doch erneut kämpften sich die Pinguine mit großartigen Leistungen zurück. Nachdem die Seestädter die beiden darauffolgenden Spiele gewonnen hatten, kam es am 17. April zum finalen „Show-Down“ in der Seestadt, den die Pavlovtruppe knapp mit 1:2 verlor. Der sportliche Aufstieg in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) war somit verpasst.
Die Saison 2006/2007 bot schon in der ersten Hälfte zwei Sensationen aus Sicht der Pinguine. Im Rahmen des Deutschen Eishockey Pokals wurden nach einem Erstrundensieg bei den Hannover Indians die DEL-Teams aus Düsseldorf (Titelverteidiger) mit 9-2 sowie aus Frankfurt die Lions mit 2-1 im Eisstadion am Wilhelm-Kaisen-Platz aus dem laufenden Wettbewerb geworfen. Im Dezember 2006 verlängerte Trainer Igor Pavlov sein Tätigkeit an der Bande bei den Fischtown Pinguins für eine weiteres Jahr (Saison 2007/2008). Am 16. Januar 2007 endete der Traum von einem möglichen DEB-Pokal-Finale: mit 1-5 unterlag man auf heimischen Eis den Adlern aus Mannheim, die als späterer Pokalsieger und Deutscher Meister erstmals das "Double" im deutschen Eishockey schafften. Für die Pinguine endete die Saison überraschend erfreulich mit dem 3. Platz und folglich dem Heimrecht in der ersten Runde der Play-offs. Diese endeten jedoch schnell. Im letzten entscheidenden Spiel der Serie "Best off seven" gegen den EHC München setzte es im Münchner Olympiastadion eine unglückliche 0:1 Niederlage in der 59. Minute, die gleichzeitig auch das Aus bedeutete. Dennoch durften die Pinguine auf eine erneut erfolgreiche Spielzeit zurückblicken, die sich mit der jüngsten Mannschaft der Liga und einem vergleichsweise bescheidenen Etat erneut der Anerkennung der Konkurrenz sicher sein durften. Besonders bitter aus Sicht der Fans, Offiziellen und der Mannschaft war aber der Abgang von Peter Boon, der nach drei überaus erfolgreichen Jahren seine Zelte in der Seestadt abbrach und bei den DEG Metro Stars in Düsseldorf ein neues Kapitel seiner sportlichen Karriere aufschlug.
Die Fischtown Pinguins sind in der Saison 2007/2008 dem Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen. Erst im siebten und entscheidenden Playdown-Duell mit den Lausitzer Füchsen konnten die Nordlichter den Klassenerhalt perfekt machen. Über weite Strecken der Saison schoben Fans und Offizielle großen Frust.Vieles ging schief, nur wenig wollte klappen. Es fällt schwer, die Schuld an der Misere an einer Personen festzumachen. Es hakte an mehreren Stellen. Spielern, Trainern und Management fehlte das glückliche Händchen. Ein großes Maß an Schuld muss Igor Pavlov auf sich nehmen. Der Coach hatte schon vor Saisonbeginn mit überzogenen Erwartungen die Latte sehr hoch gelegt. Ein Platz unter den besten vier Teams der Liga sollte es nach Ende der Hauptrunde für Bremerhaven sein. Dass der Kader aber schwächer besetzt war als in der Saison 2006/2007, als man im Playoff-Viertelfinale ausgeschieden war, blendete der Russe aus – ein folgenschwerer Fehler. Obwohl Pavlov zu allen Spielerverpflichtungen sein Okay gegeben hatte, fing er schon früh an, den einen oder anderen Profi in Frage zu stellen. Der erste Spieler, der beim Coach in Ungnade fiel, hieß Ryan Kinasewich. Obwohl Pavlov wusste, dass der Stürmer aus Kanada nach einer schweren Schulterverletzung mitten in der Rekonvaleszenz-Phase steckte, kritisierte er immer wieder den Fitnesszustand des Nordamerikaners. Als der Coach den Angreifer nach einem Fehler in einem Testspiele zur Strafe auf die Bank verbannte, eskalierte der Konflikt. Ein paar Tage später musste Kinasewich gehen. Pavlov gewann den Machtkampf – doch innerhalb der Mannschaft war die Trennung vom Kanadier durchaus umstritten. Es entstanden Gräben, die sich bis zur Entlassung des Russen im Oktober vergangenen Jahres nicht mehr schließen ließen. Kinasewich war nicht der einzige Spieler, dem Pavlov ein schlechtes Zeugnis ausstellte. Auch die Neuzugänge Darin Olver, Thomas Holzmann und Sascha Jocham bekamen ihr Fett weg. Mit einer deftigen, öffentlichen Schelte gegen die eigene Mannschaft nach einem 3:1-Auswärtssieg am 19. Oktober in Crimmitschau schaufelte sich Pavlov sein eigenes Grab. Er hatte den Journalisten in die Blöcke diktiert, dass die Analyse des Spiels nur mit viel Wodka zu ertragen sei. Das Management der Pinguins reagierte schockiert. Zehn Tage später, am Morgen nach der 2:4-Schlappe in Weißwasser, musste der Russe seinen Platz räumen. Bei zwei Spielen fungierte Dieter Blum, der dritte Torwart der Pinguins, als Interims-Trainer. Immerhin holte das Bremerhavener Eishockey-Urgestein mit Siegen gegen Landsberg und Regensburg mit sechs Zählern die optimale Punkteausbeute. Auf Druck von Berater Andreas Rosenberg sollte unbedingt ein Kanadier den Posten übernehmen und die Pinguins aus dem Tabellenkeller führen. Die Wahl fiel auf Tom Coolen. Der 54-Jährige aus Halifax zeigte sich den Medien gegenüber sehr offen und war auch den Fans beliebt. Hinter den Kulissen waren sich die Verantwortlichen aber schon früh einig, dass Coolen nur eine Lösung bis zum Saisonende sein kann. Zwar spricht es keiner der Verantwortlichen offen aus, aber in der tagtäglichen Arbeit mit dem Nordamerikaner soll es immer wieder zu gravierenden Problemen gekommen sein. Immerhin konnte sich Coolen als Retter in einer nervenaufreibenden Playdown-Schlacht feiern lassen.Bei der Zusammenstellung des Kaders fehlte den Bremerhaven das Glück. Gerade bei den jungen deutschen Spielern ging einiges daneben. So konnten die Verteidiger Sascha Jocham und Stephan Kreuzmann nie beweisen, dass sie eine Verstärkung sein können. Gerade von Kreuzmann, der eine tragende Rolle spielen sollte, musste man sehr enttäuscht sein. Etwas anders sah es bei Jocham aus. „Er hat im Grunde nie eine echte Chance erhalten", meint Teammanager Alfred Prey und scheint damit den Trainern eine Teilschuld zuzuschieben. Ganz in der Versenkung verschwanden die Eigengewächse Igor Schön, Paul Schön und Thorben Alfs. Nachdem sie anfänglich noch berücksichtigt worden waren, fristeten sie in der zweiten Saisonhälfte ihr Dasein nur noch bei den Amateuren in der Regionalliga.Ein Blick zu den Ausländern: Hier haben die Pinguins auf dem Transfermarkt durchaus mit Überblick agiert. Die Stürmer Fraser Clair und Darin Olver konnten die Erwartungen erfüllen. Ganz anders sah das aber bei Michael Lambert aus. Der AHL-erfahrene Angreifer sollte als Killer vor dem gegnerischen Tor operieren, brachte aber dort nur wenig zustande. In 25 Spielen kam er lediglich auf sechs Tore. „Der hat hier nur Urlaub gemacht", ärgert sich Geschäftsführer Hans-Werner Busch. Eingeschlagen wie eine Bombe hatte Nick Martens. Der Defensiv-Verteidiger kam in der Saison aus Österreich an die Nordseeküste und konnte fast in jedem Spiel überzeugen. Im Rahmen seiner Möglichkeiten bewegte sich Center Kurt Mac Sweyn, auch wenn sich die Offiziellen ein wenig mehr Torgefahr vom Kanadier versprochen hatten. Der Gewinner der Saison hieß Marian Dejdar. Als Außenstürmer konnte der technisch beschlagene Hesse durchstarten und sich mit einer eindrucksvollen Scorerbilanz für die DEL empfehlen. Ebenso konnte Backup-Goalie Jan Guryca Werbung in eigener Sache machen. Der Ex-Regensburger erledigte seinen Job, wenn er denn gebracht wurde, sicher und toll. Wie auch immer, für die Spielzeit 2008/2009 wollten die Pinguine mit einem Neuanfang starten um das Letzte, für alle depremierende Jahr mehr oder minder vergessen zu machen. Mit dem ehemaligen Kapitän Trainernovizen Craig Steu wollen die Pinguine zurück in sicheres Fahrwasser kommen - ein Unterfangen, welches mit Sicherheit gelingen sollte.
2008 - 2009
2008 - 2009
Das Eishockey ist eine Show ist, war den Verantwortlichen der Fischtown Pinguins auch zu Beginn der Saison 2008/2009 keine Neuigkeit. Auch damals erwartete der zahlende Zuschauer Dramatisches, Spektakuläres und Unvergessliches. Kurzum: Die Fans wollten sich berauschen lassen und glücklich nach Hause gehen. Bei den Fischtown Pinguins schienen diese schönen Randerscheinungen des Eishockeysports verloren gegangen. Seit der Saison 2005/2006, als die Norddeutschen unter der Regie von Igor Pavlov überraschend ins Play-off-Finale stürmten und dort den Straubing Tigers nach hartem Kampf unterlagen, wartete man am Weserstrand auf magische Momente. 2009 schafften die Pinguins zwar die Qualifikation für die Playoffs, mussten aber lange Zeit zittern, vielleicht wieder in die Relegation zu rutschen. Höhepunkte waren in der Saison 2008/ 2009 rar gesät. Dennoch konnte der erfahrende Zuschauer schnell die Gründe dafür finden, warum die Pinguins nicht mehr ganz vorne mitmischen konnten. So fuhren die Seestädter einen drastischen Sparkurs. Für den Personalbereich standen nur knapp 800.000 Euro zur Verfügung. Damit ließ sich kein Meisterschaftskandidat finanzieren. Schauen wir auf die Kontingentspieler: Die Bremerhavener setzten auf billige Lösungen, hofften auf Schnäppchen. So wie bei Stürmer Chris Falloon und Verteidiger Rob Smith. Beide kamen von der Universität. Sie erfüllten die Erwartungen, agierten solide. In der Bundesliga übernahmen sie aber keine führende Rolle. So sieht Mittelmaß aus. Einer, der zum Häuptling hätte mutieren können, war Jamie Schaafsma. Der Kanadier brachte auf sportlicher Ebene alle Qualitäten mit, aber auf dem Eis offenbarte der Center zu viel Eigensinn. Schaafsma musste noch vor Weihnachten gehen. Für ihn kam Garrett Prosofsky. Der Stürmer bekam viele Vorschusslorbeeren und wurde als Knipser angekündigt. Doch der Schreck war groß: Prosofsky floppte auf ganzer Linie, erreichte kaum Oberliga-Niveau. Überhaupt hatten die Pinguins Probleme mit ihrer Offensive. Die Männer von Coach Craig Streu erarbeiteten sich zu wenige Torchancen, vor allem auswärts wehte oftmals nur ein laues Lüftchen. Das Powerplay klappte überhaupt nicht. Es war zum Haareraufen. Streu musste in seinem ersten Trainerjahr viel Lehrgeld bezahlen. Es dürfte sein größter Fehler gewesen sein, Martin Sekera zum Kapitän gemacht zu haben. Der Tscheche ließ Führungsqualitäten vermissen, zum Ende der Saison musste er das „C“ an Brandin Cote abgeben. Harmonie sieht anders aus. Mit der Zeit zogen Gewitterwolken auf. Routinier David Musial hatte so seine Differenzen mit Streu, Verteidiger Vitalij Janke auch. Der Coach arbeitete mit viel Ehrgeiz und Tatendrang, dabei drängte sich aber das Gefühl auf, dass er bei seinen Ansprachen nicht alle seine Schäfchen erreichte. Trotz des nicht gerade rosigen Saisonverlaufs gab es bei den Pinguins auch positive Erscheinungen. Alfie Michaud zum Beispiel. Der Goalie lief zur Höchstform auf und steckte die Spielzeit 2007/2008, in der es für ihn nicht so gut lief, toll weg. Zu den Gewinnern zählte auch Thomas Holzmann. Der Angreifer ging keiner Arbeit aus dem Weg, sorgte für Überraschungsmomente und hat sich den DEL-Vertrag bei den Kassel Huskies redlich verdient. Einen bärenstarken Eindruck hinterließen auch Sören Sturm und André Mücke, der sich in seiner ersten Saison außerhalb der Lausitz prächtig freigeschwommen hat. Mücke konnte als Arbeitsbiene punkten und zeigte sich jederzeit charakterstark. Sturm zeigte DEL-Qualitäten und stellte mit seiner zielstrebigen Spielweise vermeintliche Stars wie den US-Amerikaner Nick Anderson in den Schatten. Zum Ende der Saison schien sich für die Pinguine dann aber doch noch ein Happy End abzuzeichnen. In der Runde um den Einzug in die Play Offs konnten die Schützliche von Trainer Craig Streu die Wild Wings aus Schwenningen zweimal eindrucksvoll in die Schranken weisen. Mit 4:3 und 4:1 warfen sich die Schwarzwälder aus der Runde der Besten Acht, in der für die Pinguine dann aber ebenso schnell und unspektakulär der „Sudden Death“ folgt. Nach vier Niederlagen in Serie gegen den EHC München durften sich die Pinguine in die Sommerpause verabschieden. Abschied nehmen hieß es aber auch für Trainer Craig Streu, dessen Engagement am Wilhelm-Kaisen-Platz nicht verlängert wurde.
2009 - 2010
2009 - 2010
In der darauffolgenden Saison 2009/2010 sind die Fischtown Pinguins im Kampf um den Klassenerhalt gerade noch mal mit einem blauen Auge davongekommen. Mit einem 4:1-Erfolg in der Play-down-Serie gegen die Wölfe Freiburg erreichten die Bremerhavener das rettende Ufer. In der Bilanz für die Saison 2009/2010 muss man den Norddeutschen allerdings in die Bücher schreiben, dass sie schlechter abgeschnitten haben als geplant. „Wir haben unser Saisonziel verfehlt. Eigentlich wollten wir in die Pre-Playoffs, um auf diesem Weg den Klassenerhalt zu schaffen. Das ist uns nicht gelungen“, blickte Geschäftsführer Hans-Werner Busch zurück. Es gab mehrere Gründe für den unerwarteten Absturz der Pinguins in die Play-downs: Bis auf Chris Stanley und mit Abstrichen Jonas Lanier fehlten Leitwölfe. Dem Team mangelte es an Erfahrung. Bedingt durch die vielen Förderlizenzspieler war es zu jung aufgestellt. „Man darf nicht vergessen: Ein Thomas Brandl kommt aus der DNL, ich wiederhole, DNL – nicht aus der DEL. Das darf man nicht unterschlagen“, trat Trainer Gunnar Leidborg immer wieder auf die Euphoriebremse. Wenn dann auch noch die mit Vorschusslorbeeren bedachten Hoffnungsträger im Sturm, die Kanadier Pierre-Luc O‘Brien und Alexandre Parent, über weite Strecken der Saison abtauchen und das deutsche Torhütergespann Stefan Horneber/Jan Guryca keine Sicherheit ausstrahlt, wird es eng. „Von den Ausländern hätte mehr kommen müssen. Grundsätzlich mangelte es uns an Effektivität – vor allem im Angriff“, meint Leidborg. Der Schwede selbst stand außerhalb jeder Kritik. Auch das relativ schlechte Abschneiden wurde Leidborg nicht angelastet. Das wäre auch ungerecht gewesen. Denn der 51-Jährige schweißte das Team in der entscheidenden Play-down-Phase wieder zusammen. Mit seiner ruhigen, fast schon väterlichen Art behielt er auch in heiklen Momenten immer die Übersicht. Auch von 13 Niederlagen aus den letzten 15 Spielen der Hauptrunde ließ sich der Coach nicht aus der Bahn werfen. Er zog seine Linie durch, pflegte eine gute Kommunikation zu allen Spielern und konnte jeden mit seinem Eishockey-Fachwissen überzeugen. Innerhalb der Mannschaft gab es deshalb auch niemanden, der Leidborgs Autorität untergraben wollte. Im Management der Pinguins gab man Fehler zu. „Die Entscheidung, mit Horneber und Guryca auf ein deutsches Torhütergespann zu setzen, war falsch. Das muss ich mir ankreiden lassen“, sagte Team-Manager Alfred Prey. Horneber blieb komplett hinter den Erwartungen zurück und schien den Arbeitsalltag in der Bundesliga zu sehr auf die leichte Schulter zu nehmen. Der 24-Jährige kam als Nummer eins in die Seestadt, absolvierte aber nur drei Partien, davon zwei über die komplette Spielzeit. Horneber, der sich früh nach Peiting verabschiedete, stand in der Leidborgschen Rangliste deutlich hinter Guryca, der dem Druck allerdings auch nicht standhalten konnte. Unterm Strich gelang den Pinguins mit der Verpflichtung des Letten Edgars Lusins ein echter Glücksgriff. Auch in Sachen Förderlizenzspieler, darüber war mann sich nach Ende der Saison sicher, musste man in Bremerhaven reagieren und Fehler korrigieren. Gerade zu Beginn der Saison konnte Leidborg oft nur mit zweieinhalb oder drei Blöcken trainieren, weil die Kooperationspartner ihre Talente erst direkt zu den Spielen schickten und eine Einsatzgarantie einforderten.
2010 - 2011
2010 - 2011
Das Aus gegen die Dresdner Eislöwen im Viertelfinale der Play-offs 2010/2011 kam für die meisten Experten und auch Fans überraschend. Die Fischtown Pinguins strichen mit 1:4 die Segel. Dabei waren die Seestädter mit großen Erwartungen in die Finalrunde gestartet. Trotzdem: Unterm Strich hatten die Männer von Coach Gunnar Leidborg eine erfolgreiche Saison gespielt. Und mit dem Umzug in die neue Eisarena hatten sich die Bremerhavener quasi selbst ein schönes Geschenk gemacht. „Schade. Wir haben wirklich eine tolle Mannschaft mit einem sehr guten Teamgeist gehabt. Ich war vor Beginn der Play-offs der Überzeugung, dass es für uns sehr weit gehen kann“, meinte Justin Kurtz, der zum Verteidiger des Jahres gekürt wurde. Ähnlich bewertete Back up- Goalie Dustin Haloschan die abgelaufene Spielzeit: „Natürlich ist man im ersten Moment traurig, wenn man rausfliegt. Doch unterm Strich bleibt die Tatsache, dass wir eine starke Saison gespielt haben. Das sollten wir in der Erinnerung festhalten.“ Die Pinguins boten in der Hauptrunde einen fulminanten Schlussspurt. Mit neuen Siegen in Serie katapultierte sich die Mannschaft bis auf den dritten Tabellenplatz. Die Fans standen wie eine Mauer hinter ihren Lieblingen. Besonders defensiv wussten die Pinguins zu überzeugen. In überragender Verfassung präsentierte sich Goalie Marko Suvelo. Der Finne machte einen tollen Job, hielt souveräner, als sich das so manch ein Kritiker vor dem Saisonstart gedacht hatte. Es gab doch viele Skeptiker, die vor Suvelo als Schwachpunkt des Teams gewarnt hatten. Doch der 35-Jährige belehrte die Pessimisten eines Besseren. Suvelo war Publikumsliebling – und zum Glück mit einem Vertrag bis 2012 ausgestattet. Doch was wäre ein guter Torhüter ohne stabil agierende Vorderleute? Aus diesem Grund hatten sich auch die Verteidiger der Pinguins ein Sonderlob verdient. Kurtz spielte seine ganz Routine aus, jeder Laufweg saß. Zudem konnte der Kanadier den tödlichen Pass anbringen. Das machte ihn so wertvoll. Fast noch stärker wirkte Vitalij Janke. Der 34-Jährige besaß am Ende der Spielzeit mannschaftsintern die beste Plus-Minus-Statistik. Dabei war Jankes Spielweise erneut aufreizend auffällig unauffällig. Mit sehr viel Routine und seiner Ruhe, die er auch in hektischen Phasen bewahrte, genoß er bei Coach Leidborg eine hohe Anerkennung. Die Entdeckung des Jahreswar allerdings Felix Thomas: Der 23 Jahre alte Berliner taute in seiner dritten Saison in Bremerhaven auf, übernahm Verantwortung und konnte das Spiel immer wieder geschickt eröffnen. Auch Steve Slaton kam mehr aus sich heraus, als das noch 20009/2010 der Fall war. Eher durchwachsen verlief die Saison für Chris Leinweber. Dem Kanadier fehlte oft die Souveränität. Im Sturm sammelte Förderlizenzstürmer Gerrit Fauser jede Menge Pluspunkte. Sein energiegeladenes Spiel kam besonders bei den Zuschauern sehr gut an. In Fausers Reihe kamen auch Brad Self und Carsten Gosdeck zum Einsatz. Beide Angreifer kamen schwer in Tritt, ließen sich aber nicht hängen. Gosdeck konnte nicht die Scorer-Bilanz aus Weißwasseraner Zeiten erreichen, zog aber immer zwei gegnerische Spieler auf sich. Unumstrittener Chef im Ring war aber Chris Stanley. Der Kapitän fühlte sich in seiner Rolle als Leuchtturm der Pinguins-Offensive sichtlich wohl. Die nicht zuletzt positive Bilanz der Saison, wie auch das gut harmonierende Team gaben den Ausschlag, dass sich Trainer Gunnar Leidborg und Teammanager Prey beim Neuaufbau der Mannschaft für die Saison 2011/2012 vorwiegend auf bewährte Stützen der Mannschaft verlassen wollten und soweit als möglich versuchten, den Großteil des Kaders zu halten. Dennoch sorgten die Pinguine bereits in der Sommerpause mit den Verpflichtungen von Spielern wie Stansilav Fatyka, Jan Kopecky oder Andrei Teljukin für Aufsehen und sorgten dafür, die Vorfreude der Fans auf die neue Spielzeit schon frühzeitig anzuheizen. Gerade nach der Fertigstellung der neuen Eisarena sollte der positive Verlauf der abgelaufen Saison dafür sorgen, auch in der neuen Spielzeit wieder positive Schlagzeilen zu schreiben.






















